4 – Reh – Freundlichkeit

Reh...

     So zart
          Und Liebevoll bist Du.

     Die Blume der Freundlichkeit
          Eine Umarmung aus der Ferne.

Eines Tages hörte das Reh wie der Große Geist es von der Spitze des Heiligen Berges rief. Das Reh machte sich sogleich auf den Weg. Es hatte keine Ahnung, daß ein schrecklicher Dämon den Weg zur Wohnung des Großen Geistes bewachte. Der Dämon versuchte, alle Lebewesen von der Verbindung mit dem Großen Geist femzuhalten. Er versuchte, ihnen das Gefühl zu geben, daß der Große Geist, ihr Schöpfer, nicht gestört werden wollte. Dadurch konnte der Dämon sich mächtig fühlen und die Geschöpfe mußten ihn fürchten.

Das Reh hatte überhaupt keine Angst, als es sich dem Dämon näherte. Das war sehr eigenartig, denn der Dämon war das Urbild aller häßlichen Schreckgestalten, die es jemals gegeben hatte. Der Dämon schnaubte Feuer und Rauch und brachte ekelliafte Geräusche hervor, um das Reh zu erschrecken. Jedes gewöhnliche Lebewesen hätte die Flucht ergriffen oder wäre vor Schreck auf der Stelle gestorben.

Aber das Reh sagte zum Dämon: »Bitte laß mich vorbei, denn ich‘bin auf dem Weg zum Großen Geist.«

Des Reh‘s Augen waren voller Mitleid für diesen prahlerischen Dicksack von einem Dämon. Der Dämon war sehr erstaunt, daß das Reh sich nicht fürchtete, und wie sehr er sich auch abmühte, er konnte das Reh nicht erschrecken, denn dessen Liebe hatte bereits sein verhärtetes häßliches Herz ergriffen. Zu seinem Entsetzen begann sein steinhartes Herz zu schmelzen und sein Körper wurde so klein wie eine Walnuß. Des Reh‘s behaniiche Liebe und Freundlichkeit hatte den Dämon zusammengeschrnolzen. Durch diese Freundlichkeit und Fürsorglichkeit, die das Reh verkörpert, ist der Weg zum Großen Geist jetzt für alle seine Kinder frei, ohne daß sie fürchten müßten, daß irgendwelche Dämonen sich ihnen in den Weg stellten.

Das Reh lehrt uns, die Kraft der Freundlichkeit zu nutzen, um die Herzen und die Gedanken verletzter Geschöpfe zu beruhren, die uns daran hindern wollen, zum Heiligen Berg aufzusteigen. Wie die Flecken auf der Decke des Reh‘s, so sollen sowohl das Licht, als auch das Dunkel von uns geliebt werden, damit Freundlichkeit und Sicherheit in all denen wachsen, die Frieden suchen.

Wenn das Reh heute mit sanften Püffen seinen Weg in Ihre Karten gefunden hat, dann sind Sie aufgefordert, die Freundlichkeit des Geistes zu finden, die alle Wunden heilt. Versuchen Sie nicht mit Gewalt, die anderen zu ändern, sondern lieben Sie sie, wie sie sind. Begegnen Sie Ihrer jetzigen Lage mit Freundlichkeit und werden Sie wie eine Somrnerbrise: warm und fürsorglich. Das ist das Werkzeug, mit dem Sie das Dilemma lösen, vor dem Sie derzeit stehen. Wenn Sie es gebrauchen, treten Sie mit dem Heiligen Berg in Verbindung, dem Ort, von dem Ihre Heiterkeit ausgeht, und der Große Geist wird Sie dabei leiten.

 

AUF DEM KOPF STEHENDES REH

Wenn das Reh in umgekehrter Lage erscheint, dann ist dies ein Hinweis darauf, daß Sie Ihren Angsten den Hof machen, indem Sie die Dämone Ihrer eigenen negativen Gedanken bekämpfen. Es sagt Ihnen, daß Gewaltanwendung nicht immer das beste Mittel ist. Vielleicht sind Sie nicht genügend bereit, sich selber so großzügig zu lieben, daß Sie Ihre Furcht spüren und sie von alleine vergehen lassen. Wahrscheinlich projizieren Sie Ihre Angste auf andere. Vielleicht sind es die anderen, die Sie fürchten, weil die auf eine Art und Weise reagieren, wie Sie es von sich selber aus früheren Zeiten kennen. In jedem Fall gibt die Liebe den Schlüssel in die Hand. Das einzige wirkliche Gegengewicht zu Macht ist die mitleidende Liebe von dem Reh. Wenn Sie bereit sind, Liebenswertes an sich selbst und an anderen zu finden, dann schmilzen Ihre Dämonen dahin. Ihre Angste können nicht an dem gleichen Ort existieren, wo Liebe und Freundlichkeit wohnen.

Vergessen Sie nicht: Das Reh kann Ihnen einige Lektionen in unbedingter Liebe erteilen. Richtig angewendet ist unbedingte Liebe eine Liebe ohne Fesseln. Die Freundlichjceit des Reh‘s ist der Herzensraum des Großen Geistes, in dem die Liebe für uns alle wohnt.